Digitalisierung, Krankenhausreform & E-Health: Bewegte Zeiten in der Gesundheitswirtschaft

2. Juli 2015, 9:05

Zukunft weisen.

Es sind bewegte Zeiten für das Gesundheits­wesen: Nicht nur auf Reform­ebene mit Kabinetts­entschlüssen für das E-Health- und das Krankenhaus­reform­gesetz, sondern auch in der Ent­wicklung und Plan­ung für die zukünftige Ver­netzung der Gesundheits­branche. Der Digi­tali­sierung werden dabei große Möglich­keiten und Chancen bei drängenden Problemen wie der mangel­hafte Landärzte­struktur oder dem Demo­grafischen Wandel eingeräumt. Geplant ist ein schnellerer und einfacherer Austausch von Patienten­informationen über sogenannte Daten­auto­bahnen und die Förderung von digitalen Lösungen in der Gesundheits­branche. Dass das „Ob“ bei vielen dieser Planungen schon lange zu einem „Wie“ geworden ist, zeigen nicht nur die beschlossenen Gesetze, sondern auch die Bereits­chaft aus der Bevölkerung: Mehr als 50 Prozent der Deutschen nutzen das Internet, um Informationen zu medizinischen Themen einzuholen, und der durchschnittliche Gesundheits­internet-Surfer ist um die 60 Jahre alt. Die Möglich­keiten für eine Ver­besserung der medizinischen Ver­sorgung in beispiels­weise Kranken­häusern, ebenso wie zu Hause, sind dabei zahlreich: Navigations­hilfen bei der Computer-gestützten Operation, Über­wachung des Blutdrucks, und des Herz­schlags durch mobile Anwen­dungen auf dem Smartphone oder Zukunftsvisionen wie Rollstühle, die verirrte Patienten eigenständig zu Pflege­einrichtungen zurückleiten.

Das von Bundes­gesundheits­minister Hermann Gröhe, Schirmherr des Preises für Gesundheits­visionäre der Universität Witten/Herdecke, vorangetrieben E-Health-Gesetz soll für solche Innovationen die Weichen stellen. Noch, so äußert sich Gröhe, „fehlen gute Daten­autobahnen“ und fügt hinzu: „Wir haben den Porsche, fahren aber auf Feld­wegen.“ Gemeint ist der schlechte infra­strukturelle Ausbau für die digitale Daten­übertragung. Das kürzlich beschlossene E-Health-Gesetz der Großen Koalition soll dagegen Abhilfe schaffen: Daten­autobahnen sollen in einem Hoch­sicherheits­netz medizinische Informationen digital weiterleiten. Das bis 2018 vollständig zu implemen­tierende Gesetz setzt auch für Kranken­häuser, nieder­gelassene Ärzte und Zahnärzte Anreize, Patienten­daten elek­tronisch zu verwalten und weiter­zuleiten. So werden Krankenhäuser ab dem 1. Juli 2016 für die Anfertigung von elektro­nischen Entlassungs­briefen mit einem Euro Zuschuss pro Brief vergütet. Bei niedergelassenen Ärzten beträgt dieser finanzielle Anreiz 50 Cent pro Brief. Außerdem können, wenn vom Patient oder der Patientin gewünscht, wichtige Informationen wie Vor­erkrankungen, Medikamente oder zurück­liegende Opera­tionen auf der persönlichen elektronischen Gesundheits­karte gespeichert werden und versorgen Behandelnde im Notfall sofort mit allen wichtigen Informationen. Zentral für alle Vernetzungs­maßnahmen ist der not­wendige Datenschutz: Die 2005 gegründete Gesellschaft für Telematik wird durch das Gesetz damit betraut, Gröhes „Datenautobahnen“ aufzubauen, die sicher und schnell digitale Informationen weiterleiten können.

Team des Preis für Gesundheitsvisionäre: Louis Jarvers (PPE), Prof. Dr. Bohnet-Joschko, Johannes Gabriel (Medi), Malte Jacobsen (Medi & WiWi)

Team des Preis für Gesundheitsvisionäre: Louis Jarvers, Prof. Dr. Bohnet-Joschko, Johannes Gabriel, Malte Jacobsen

Welche großen Stellen­wert das Gesundheits­wesen in Deutsch­land genießt, zeigen auch Daten aus der Wirt­schaft: Jeder Achte Beschäf­tigte arbeitet in der Gesundheits­branche, die Gesundheits­wirtschaft trägt mit elf Prozent zum Brutto­inlands­produkt bei und präsentiert sich dabei als Wachstums­branche, bei dessen Brutto­wert­schöpfung bis 2030 eine Steigerung um 33 Prozent von 300 auf 400 Milliarden Euro erwartet wird. Zentral für dieses Wachstum sind der tech­nische Fort­schritt und die hohe Innovations­bereitschaft im Bereich der Gesundheits­wirtschaft. Der Preis für Gesundheits­visionäre der Universität Witten/Herdecke unterstützt eben jene zukunftsweisenden Projekte und Produkte, die Entwicklung der Gesundheits­wirtschaft vorantreiben. Mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 10.000 Euro fördert die Auszeichnung dieses Jahr Konzepte und Ideen aus dem Bereich „Mobile Health“. Diese Unterstützung trägt auch der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe mit, der die Schirmherrschaft über den Preis der Universität Witten/Herdecke übernommen hat. Er verdeutlicht in Bezug auf den Preis für Gesundheitsvisionäre: „Es ist erfreulich, dass die Lebenserwartung in Deutschland steigt und wir dadurch viele zusätzliche, oft gesunde Lebensjahre geschenkt bekommen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Pflege und medizinischer Versorgung. Deshalb machen wir unser Gesundheitssystem mit der Pflegereform, dem E-Health-Gesetz oder der Krankenhausreform bereits heute zukunftsfest. Innovative Ideen und Projekte können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Daher freue ich mich, dass die Universität Witten/Herdecke dieses Jahr zum ersten Mal den Preis für Gesundheitsvisionäre ausschreibt, um kreative und zukunftsweisende Vorhaben im Gesundheitsbereich zu fördern.“